Graphologie

Berufsgraphologen beschäftigen sich mit der Handschriftendeutung im Sinne der modernen „Schriftpsychologie” und verwenden die Handschrift als Grundlage zur Persönlichkeitsdiagnostik, d.h. zur Eruierung von Anlagen, Fähigkeiten, Persönlichkeitszügen, Neigungen und möglichen Verhaltensweisen bei der Arbeit.

Zur graphologischen Beurteilung benötigen wir eine relativ ausführliche Schriftprobe mit Unterschrift sowie Angaben über den Schriftautor wie: Geburtsjahr, Nationalität, Geschlecht, Beruf. Sehr wichtig sind auch genaue Angaben über die infrage kommende Stelle, d.h. Arbeitsplatzbeschreibung‚ Anforderungsprofil sowie Angaben über die ganz wichtigen Faktoren, sog. Haupteignungsfaktoren. Allgemeine Fragestellungen, wie oft in Inseraten zu lesen: Dynamisch, jung, anpassungsfähig, verkaufsorientiert, einsatzbereit etc., können oft nicht gebraucht werden, weil sie zu allgemein sind und Allgemeinplätze darstellen. Je mehr spezifische und exakte Fragen an den Graphologen gestellt werden, desto präziser und verlässlicher kann er auch antworten.

 
 

Während dem man früher oft mehr Zeichendeuterei und eine Zuweisung von Einzelmerkmalen zu Einzelanlagen oder Einzelcharakterzügen herzustellen suchte, bemüht man sich heute mit größerer Bescheidenheit, Richtungen, Tendenzen und wesentliche Strukturen des Schreibenden festzustellen.

Die Stärken der Graphologie liegen deshalb mehr in der Erkenntnis von Intelligenz- oder Denkstrukturen wie:

  • analytisch – konstruktiv,
  • reproduktiv – kreativ,
  • detailbezogen – planerisch/übersichtlich oder auch
  • „mehr technisch – mehr künstlerisch”,
  • „eher praktisch – eher theoretisch”.

Klar umschriebene Einzelfähigkeiten wie musische, mathematische, technische oder kaufmännische Fähigkeiten sieht man nicht unbedingt - man kann sie aber indirekt vermuten.

Die Graphologie hilft auch auf positiver Weise bei der Beurteilung des persönlichen Arbeitsverhaltens, wo es oft möglich erscheint, die gründlich und ernsthaft arbeitenden Bewerber von den Oberflächlichen und Flüchtigen zu unterscheiden. Aber auch Grundlagen wie Vitalität, Energiepotenzial und Beharrlichkeit wie Durchhaltewille können mit Sicherheit festgestellt werden. In der Beurteilung des Charakters scheint die graphologische Beurteilung von besonderer Bedeutung zu sein.

Grundtendenzen wie Introversion, Extraversion und Kontaktfähigkeit, Verschlossenheit wie Aktivität, Passivität und nicht zuletzt Offenheit, unternehmerisches Verhalten und Führungsanspruch können treffsicher geschildert werden.

 
 

Bei der praktischen Auswertung der Handschrift haben wir es mit verschiedenen Vorgängen zu tun.

Erstens wird kurz kontrolliert, ob Schriftmaterial und Angaben zum Schreiber, zur spezifischen Stelle, Anforderungsprofil, usw. vollständig sind. Wenn nicht, dann telefonische Rückfragen, auch hinsichtlich der Spezifizierung von Anforderungen, wie z.B. “verkäuferisch-beraterische Begabung“ für was, für wen, in welcher Verkaufsumwelt, welcher Abnehmer, unter welchem Stress und Ähnliches.

Zweitens: Hinsetzen und Schrift genau ansehen, “im Geiste:“ Die wesentlichen Züge und Auffälligkeiten in Zusammenhang bringen, Grundbedeutungen herausschreiben, Fragen notieren, und versuchen, ein ganzheitliches Bild des Schreibers zu erschaffen, Einordnung in Bezug auf die wichtigen Merkmale des Anforderungsprofiles vornehmen, dann Gutachten erstellen nach den Faktoren:

  • Intelligenz – Fähigkeiten – Begabungen
  • Arbeitsverhalten – Lernfähigkeit – Leistungsvermögen
  • Charakter – Typ – Sozialverhalten – Führungseigenschaften
  • Hauptneigungen – Interessenrichtungen
  • Schlussfolgerungen in Bezug auf Eignung, fragliche Eignung, Nichteignung mit kurzen Begründungen
 
 

Die Zuverlässigkeit der graphologischen Beurteilungsmethode bewegt sich in dem Rahmen von den übrigen testologischen Verfahren, d.h. 6 von 10 zutreffend, 3 von 10 durchschnittlich, 1 falsch oder irreführend. Die Treffsicherheit kann erhöht werden, wenn man Schriften nicht beurteilt, die dem Graphologen nicht liegen, bzw. wo er nicht “draus kommt“, vielleicht auch durch Fragen stellen, Vermutungen anstellen und das eigene Nichtwissen zugeben. Insgesamt liegt die Verlässlichkeit bei ca. 75%, was als recht gut bezeichnet werden kann.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Graphologie uns hilft, ein relativ ausführliches und allgemeines Bild von einem Bewerber zu entwerfen. Oft werden dann so Fragen beantwortet oder Fragen werden erst jetzt gestellt. Der Mensch ist sicher so vielseitig und vielschichtig, dass wir gut daran tun, uns in Bescheidenheit zu üben, wenn es darum geht, allzu sichere Urteile oder Beurteilungen abzugeben.

Es geht bei der Graphologie, aber auch bei allen anderen Einschätzungs- und Beurteilungsmethoden, immer nur um eine Annäherung zur möglichen Wahrheit über eine Person, seinen Charakter und sein Verhalten. Wenn die Graphologie auf relativ verlässlicher Art und Weise hier ein Mosaiksteinchen mehr zu liefern vermag, können wir froh sein, eine Methode zu besitzen, die das Bild eines künftigen Mitarbeiters vervollständigt oder ergänzt. In der Selektion geht es ja darum, auf verantwortlicher Weise den richtigen Mann am richtigen Platz, bzw. richtige Frau am richtigen Platz zuzuweisen.

Ganz zum Schluss müssen wir vielleicht anführen, dass es wichtig ist, dass der psychologische Anteil in der graphologischen Beurteilung wichtiger ist als die Zeichendeuterei, die Kenntnis des Menschen in allen seinen Möglichkeiten ist wichtiger als die reine fachtechnische Kenntnis seiner Schrift.

 
 
 

Profiles International

Unser modernes Online-Tool